Berichte

Sonderausstellung "Eusi Trachte Euses Baselbiet"

Im Heimatmuseum Sissach wurde die Ausstellung mit einem Apéro und musikalischer Unterhaltung mit der Oberbaselbieter Ländlerkapelle eröffnet.

In der Basler Zeitung schreibt Tanja Bangerter


Pure Nostalgie erschloss sich gestern beim Betreten des Sissacher Heimatmuseums. Während es draussen dicke Flocken schneite, kam man sich drinnen in Winterjacke und dickem Schal neben den stolzen Trachtenfrauen etwas plump vor. Die Sonderausstellung des bald 100-jährigen Heimatmuseums der Bürgergemeinde zeigt eine Sammlung von Baselbieter Trachten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

«Es macht mich stolz, sie zu tragen», sagt Hanni Misteli, die 26-jährig ihre erste eigene Tracht genäht hat. «Ich fühle mich damit meiner Heimat verbunden», sagt sie. Heute trägt sie die Bekleidung in Winterausführung. Diese besteht aus mehreren Schichten purer Wolle. Das Anfertigen der Trachten brauche Tage, wenn nicht Wochen, sagt Bethli Weitnauer. Früher sei ein hohes Bord Zeichen einer wohlhabenden Trägerschaft gewesen.
«Zu allen Anlässen kleidete man sich in Trachten», weiss Weitnauer. An Hochzeiten schmückten eine weisse Begine, ein kleiner Kopfschmuck, und ein silberner Gurt die Braut. Grundsätzlich sei Silberschmuck typisch fürs Baselbiet. Goldener Schmuck werde in den katholischen Kantonen getragen. An Werktagen habe man blaue und an Festtagen rostrote, graue oder schwarze Trachten getragen, erklärt Weitnauer anhand einiger ihrer Modelle – Trachtenträger in Miniaturform. Die Schneiderin fertigt schon seit 60 Jahren Trachten an. Und das immer noch mit der gleichen Faszination. Mit der hat sich wohl auch ihr Mann angesteckt. «Die Männer helfen den Frauen beim Anziehen», sagt dieser sichtlich stolz.

Das waren wohl noch Zeiten. Doch damit nicht genug: «Die Baselbieterinnen sind zudem die einzigen bewaffneten Trachtenträgerinnen in der Schweiz», fügt Weitnauer an und blickt zum silbernen Sackmesser, das am Bund seiner Gattin baumelt. «Und die einzigen, die rote Strümpfe tragen», ergänzt Gabriella Schwald. Trachten könne man auch im Kostümverleih ergattern. «Es gibt jedoch Trachtenfrauen und Frauen, die Trachten tragen», sagt sie und schmunzelt.

Die Stimmung im ehemaligen Tanzsaal ist bereits in den Mittagsstunden ausgelassen. Getanzt werde in der Sissacher Trachtengruppe einmal pro Woche, sagt Schwald. Das Tanzen sei pure Lebensfreude. Und gehöre einfach dazu. Genauso wie die Traditionen, bei denen die Trachtenfrauen den Männern am Banntag bis auf vier Glückliche den Vortritt lassen, sagt Schwald, die mit Wurzeln im Tessin auch schon mit norditalienischen Trachten liebäugelte. Diese seien im Gegensatz zu den bodenständigen, einfachen Baselbieter Trachten aufwendiger. «Man trägt die Tracht seiner Heimat», betont sie.

Bereits seit einigen Jahren Mitglied der Museumskommission, schätze sie das Haus für seine Nähe zur Vergangenheit – dass darin Altes und Bewährtes Platz finde. «Mit der Waffensammlung hat alles angefangen», erinnert sich Schwald. Diese gehört nun zum Grundstock des Museums. Im Untergeschoss werde seit Kurzem eine Posamenterei, ein Relikt der Seidenbandindustrie ausgestellt. Dort haben sich einige Besucher dem Trubel entzogen und schauen bei der Herstellung der Seidenbänder zu. Gegenüber zeigt eine Kutsche in Echtgrösse den Handel mit Seide. Im Café nebenan blättern einige in Büchern, in der historischen Küche warten Häppchen auf hungrige Besucher.

Sorgen, dass die Traditionen irgendwann niemand mehr weitergibt, mache sie sich durchaus, sagt Schwald. «Wir müssen schon darum kämpfen», betont sie. Und dennoch habe sich bisher immer Nachwuchs gefunden.

Fotos Claude Vuille und Benildis Bentolila
























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